Was ist Autismus eigentlich?

Autismus ist eine Entwicklungsstörung – keine Krankheit. Sie tritt bereits im frühkindlichen Alter auf, wird aber teils erst viel später diagnostiziert.

 

Betroffene sind in der Regel sehr auf sich selbst fokussiert und weisen Defizite im Umgang mit anderen Menschen auf. Daher auch die Bezeichnung „Autismus“. Der Begriff ist nämlich vom griechischen Wort „autós“ abgeleitet und bedeutet „selbst“.

Autismus oder die Autismus-Spektrum-Störung betrifft in der Regel die folgenden drei Bereiche:

Verhalten

Probleme bei der non-verbalen Kommunikation und beim Aufbau von Beziehungen

Sprache

Schwierigkeiten beim Sprechen und bei der korrekten Verwendung der Sprache

Sozialverhalten

Schwierigkeiten bzw. Desinteresse an der Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen

Konkret heißt das, dass viele Autisten beispielsweise Schwierigkeiten haben, die Emotionen vom Gegenüber zu erkennen und sich auch nur schwer in andere hineinversetzen können. Mit Ironie und Sarkasmus wissen sie meist nichts anzufangen.

Aber nicht alle Menschen mit einer Autismus-Spektrums-Störung haben dieselben Defizite. Sie sind so verschieden, vielfältig und unterschiedlich, wie der Rest der Gesellschaft auch. Man könnte einfach sagen, dass Autisten mit anderen Augen auf die Welt blicken.

Darüber ob Betroffene an ihrer Störung leiden oder gut damit leben, entscheidet oftmals die Hilfe, das Verständnis und die Unterstützung ihrer Umwelt.

Autismus ist bereits im Kindesalter erkennbar

Häufig sind Verhaltensweisen, die mit Autismus zusammenhängen, schon im Kindesalter bemerkbar.

  • Autistische Kinder haben beispielsweise oft sehr eingeschränkte oder spezielle Interessen, auf die sie sich stark konzentrieren.
  • Beim Spielen fällt eventuell das repetitive Verhalten auf. Sie führen Bewegungen immer wieder durch oder geraten in Unruhe, wenn sich an Tagesabläufen etwas ändert.
  • Fehlende Kontaktaufnahme zu den Eltern kann ebenfalls ein Symptom sein.

 

Lediglich bei einem Teil der autistischen Kinder liegt auch eine Intelligenzminderung vor. Diese Kinder sind meist auf eine lebenslange Betreuung angewiesen.

Im Gegensatz dazu entwickeln Kinder mit dem sogenannten „High-Functioning-Autismus“  häufig eine besondere Begabung – auch Inselbegabung genannt. Neuere Studien haben außerdem festgestellt, dass Menschen mit Autismus meist rationaler Beurteilen, zu weniger Fehlurteilen neigen und weniger leicht zu manipulieren sind.

Bisher bekannte Arten von Autismus

Bis 2019 unterschied die internationale ICD-10-Klassifikation (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) zwischen den folgenden Formen von Autismus:

  • Asperger-Syndrom
  • Frühkindlicher Autismus oder Kanner-Autismus
  • Atypischer Autismus

Die neue ICD-11-Klassifikation, die 2022 gelten soll, sieht keine Unterscheidung der einzelnen Formen mehr vor und spricht nur mehr von der Autismus-Spektrum-Störung. Das ist insofern begrüßenswert, weil ein Spektrum besser klarstellt, dass es zwar eine Reihe an möglichen Symptomen gibt, die Ausprägungen allerdings von Mensch zu Mensch variieren kann.  

Autismusarbeit unterstützen

Wie häufig ist eine Autismus-Störung?

Laut Umweltbundesamt gibt es keine Zahlen zur Häufigkeit von Autismus. Derzeit wird allerdings angenommen, dass es weltweit 1-2% Betroffene gibt.

Autismus tritt innerhalb von Familien gehäuft auf, es könnte also auch eine genetische Komponente vorliegen. Auch der Einfluss von Umwelt- und Lebensbedingungen wird geprüft.

Obwohl keine genauen Zahlen vorliegen, werden Jungen etwa doppelt bis dreimal so häufig mit Autismus diagnostiziert als Mädchen. In den letzten Jahren hat die Anzahl der Autismus-Diagnosen insgesamt stark zugenommen. Das dürfte aber vor allem daran liegen, dass Kinder früher Betreuungseinrichtungen besuchen und die Störung daher früher auffällt.  Auch standardisierte  und regelmäßige Untersuchungen bei Kinderärzten tragen dazu bei, dass häufig schon frühzeitig eine Diagnose gestellt werden kann.

Je früher Autismus diagnostiziert wird, desto besser ist die Prognose. Da der Verlauf aber immer individuell verläuft, sind auch frühe Prognosen über den späteren Verlauf nur bedingt möglich. Und trotz aller Untersuchungen ist es immer noch kein Einzelfall, wenn Autismus erst im Jugend- oder Erwachsenenalter diagnostiziert wird. Heilbar ist die Störung letztlich nicht, doch es gibt viele Möglichkeiten Autisten bei einem möglichst autonomen Leben zu unterstützen und ihnen den Alltag zu erleichtern.

Mit Autismus leben – nicht daran leiden

Für viele autistische Menschen ist es besonders wichtig, eine Umgebung zu finden, in der sie gut zurechtkommen. Das kann für Kinder auch der Besuch einer Regelschule bedeuten.

In manchen Bereichen sind einige Autisten andererseits besonders empfindlich. Einige reagieren beispielsweise viel stärker auf Geräusche und brauchen daher eine besonders ruhige Umgebung. Anderen Autisten wiederum gibt vor allem ein sehr geregelter Tagesablauf notwendige Sicherheit.

Die meisten Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung sind außerdem kontaktscheu und vermeiden Menschenansammlungen. Dennoch sollten wir versuchen, sie so gut es geht ins Miteinander mit einzubeziehen – natürlich unter Berücksichtigung ihrer individuellen Bedürfnisse.

Dass Autisten generell beziehungsunfähig oder Einzelgänger sind, ist ein Vorurteil. Vor allem deshalb sind eine bessere Teilhabe und die Unterstützung im Alltag ein besonderes Anliegen für unsere Stiftung.

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