Das Autism Diagnostic Interview, Revised (ADI-R) ist ein standardisiertes Interview, das mit Eltern oder primären Bezugspersonen einer Person mit Autismus-Verdacht geführt wird. Es ergänzt die Beobachtung im ADOS-2 um eine systematische Anamnese: Wie war die frühe Entwicklung, welche Verhaltensmuster sind typisch, seit wann zeigen sich welche Auffälligkeiten?
Das ADI-R dauert 90 bis 180 Minuten und folgt einem festen Fragebogen mit über 90 Items. Die Antworten werden nach klaren Regeln kodiert und ergeben am Ende einen Algorithmus-Score in vier Bereichen: soziale Interaktion, Kommunikation, repetitives Verhalten und früher Entwicklungsverlauf.
Das ADI-R verlangt detaillierte Antworten zur Entwicklung der Person — oft auch zur frühesten Kindheit. Eine gute Vorbereitung erleichtert das Interview deutlich:
Vorsorgeheft (U-Heft), erste Zeugnisse, Berichte aus Kindergarten oder Kita. Vor allem Hinweise zu Sprachentwicklung, sozialem Verhalten und Spielverhalten in den ersten Lebensjahren.
Frühere Stellungnahmen von Lehrkräften, SPZ-Berichte, Therapieberichte (Logopädie, Ergotherapie, Kinderpsychologie). Auch wenn keine Autismus-Diagnose vorlag, können Beobachtungen wertvoll sein.
Welche Situationen waren schwierig, welche Reize problematisch, welche Verhaltensweisen wiederholten sich? Konkrete Beispiele helfen dem Interviewer mehr als allgemeine Einschätzungen.
Wenn möglich, sollten beide Elternteile teilnehmen oder zumindest gemeinsam vorbereiten. Das ADI-R fragt sehr detaillierte Erinnerungen ab — zwei Perspektiven sind besser als eine.
Wie der ADOS-2 ist das ADI-R ein lizenziertes Verfahren, das nur von zertifizierten Fachpersonen durchgeführt und ausgewertet werden darf. Typischerweise sind das die gleichen Stellen, die auch den ADOS-2 anbieten: Sozialpädiatrische Zentren, Autismus-Ambulanzen, Kinder- und Jugendpsychiater oder klinische Psychologen mit ADI-R-Schulung.
Bei Erwachsenen ist das ADI-R nur eingeschränkt einsetzbar — die Eltern oder Bezugspersonen müssen erreichbar und auskunftsfähig sein, was bei Erwachsenen-Diagnostik nicht immer der Fall ist. Stattdessen kommen dann oft andere Anamnese-Verfahren zum Einsatz, oder das ADI-R wird durch sehr ausführliche Eigen-Interviews ergänzt.
Die beiden Verfahren sehen die Person aus zwei unterschiedlichen Winkeln: Das ADOS-2 zeigt das Verhalten im Hier und Jetzt, das ADI-R die Entwicklung über die Zeit. Für eine sichere Diagnose braucht es beides — sonst übersehen Diagnostiker entweder Maskierungen (die in der Beobachtung gut funktionieren) oder spätere Veränderungen (die in der Anamnese nicht auftauchen).
Das ist normal. Der Interviewer fragt strukturiert ab und hilft mit Anker-Fragen. Wenn etwas nicht erinnerbar ist, wird das vermerkt — der Algorithmus berücksichtigt fehlende Antworten. Wichtig ist, ehrlich zu antworten, auch wenn die Antwort „weiß ich nicht mehr“ lautet.
Eingeschränkt. Das Verfahren wurde für Eltern-Berichte über Kinder entwickelt. Für Erwachsenen-Diagnostik werden meist andere Anamnese-Tools eingesetzt, oder das ADI-R nur als ein Element neben sehr ausführlichen Selbstauskunfts-Verfahren verwendet. Bei Bedarf hilft Ihnen unsere Übersicht Diagnose Erwachsene weiter.
Ja, wenn das ADI-R im Rahmen kassenärztlicher Diagnostik (SPZ, Autismus-Ambulanz, Kinder- und Jugendpsychiatrie) durchgeführt wird. Die Überweisung erfolgt typischerweise vom Kinderarzt oder vom Hausarzt.
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