Häufige Fragen rund um Autismus und die Autismus-Stiftung

Eltern, Großeltern und Betroffene stellen uns immer wieder ähnliche Fragen: Was genau ist Autismus? Welche Rechte hat mein Kind? Wie sichere ich die Zukunft meiner Familie? Auf dieser Seite haben wir die wichtigsten Antworten zusammengestellt. Jede Antwort ist fundiert, verständlich formuliert und auf die Lebenswirklichkeit von Familien im Autismus-Spektrum zugeschnitten.

Wenn Ihre Frage hier nicht beantwortet wird, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Die Autismus-Stiftung berät kostenlos, vertraulich und ohne Zeitdruck.

Fragen zu Autismus

Was ist Autismus genau?

Autismus (offiziell: Autismus-Spektrum-Störung, ASS) ist eine neurologische Entwicklungsbesonderheit, die sich auf soziale Kommunikation, Wahrnehmungsverarbeitung und Verhaltensweisen auswirkt. Autismus ist keine Krankheit und nicht heilbar, sondern eine andere Art, die Welt wahrzunehmen und zu verarbeiten. Das Spektrum ist breit: Manche autistischen Menschen führen ein vollständig selbstständiges Leben, andere benötigen intensive Unterstützung im Alltag. Ausführliche Informationen zu Autismus

Was ist der Unterschied zwischen Autismus und ADHS?

Autismus und ADHS sind zwei verschiedene neurologische Besonderheiten, die aber gleichzeitig auftreten können. Fachleute sprechen dann von AuDHD. Autismus betrifft vor allem soziale Kommunikation, Wahrnehmungsverarbeitung und das Bedürfnis nach Routinen. ADHS betrifft hauptsächlich Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Aktivitätsregulation. Seit dem DSM-5 ist eine Doppeldiagnose offiziell anerkannt und kommt bei 30 bis 40 Prozent der autistischen Menschen vor. Mehr zu Begleiterkrankungen

Was bedeutet „hochfunktionaler Autismus“?

Der Begriff ist inoffiziell und wird zunehmend kritisiert, weil er suggeriert, dass Menschen mit weniger sichtbarem Unterstützungsbedarf keine Herausforderungen haben. Das DSM-5 unterscheidet stattdessen zwischen drei Unterstützungsstufen (Level 1, 2 und 3). Ein Mensch mit Level 1 kann im Alltag selbstständig erscheinen und trotzdem erheblichen internen Stress durch Masking und soziale Anpassung erfahren. Mehr zu Autismus-Formen

Kann ein autistischer Mensch ein selbstbestimmtes Leben führen?

Ja. Viele autistische Menschen führen ein vollständig selbstständiges Leben: Sie arbeiten, haben Beziehungen und gründen Familien. Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf benötigen begleitende Strukturen wie betreutes Wohnen oder Arbeitsassistenz, können aber innerhalb dieser Strukturen ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben führen. Die Autismus-Stiftung unterstützt Familien dabei, die langfristigen Strukturen zu schaffen.

Können Mädchen und Frauen andere Anzeichen zeigen als Jungen?

Ja. Mädchen und Frauen im Autismus-Spektrum sind oft besser darin, soziale Verhaltensweisen nachzuahmen (Masking). Sie haben häufiger sozial akzeptierte Spezialinteressen und fallen daher weniger auf. Die Forschung zeigt, dass Frauen im Durchschnitt deutlich später diagnostiziert werden als Männer. Die aktuelle Schätzung geht von einem tatsächlichen Geschlechterverhältnis von etwa 2:1 (männlich zu weiblich) aus, während das diagnostizierte Verhältnis bei 3:1 liegt. Anzeichen erkennen

Fragen zur Diagnose

Wie lange dauert eine Autismus-Diagnose in Deutschland?

Bei Kindern beträgt die Wartezeit auf einen Diagnostiktermin oft 6 bis 18 Monate an Sozialpädiatrischen Zentren oder Kinderpsychiatrien. Bei Erwachsenen sind es häufig 1 bis 3 Jahre an spezialisierten Autismus-Ambulanzen. Privatärztliche Diagnosen sind schneller verfügbar, kosten aber etwa 1.500 bis 3.000 Euro ohne Kassenleistung. Unser Einrichtungsverzeichnis hilft Ihnen, Anlaufstellen in Ihrer Nähe zu finden. Zum Einrichtungsverzeichnis

Ab welchem Alter kann Autismus diagnostiziert werden?

Erste Hinweise können bereits im Säuglingsalter auftreten, zum Beispiel wenig Blickkontakt oder fehlende Reaktion auf den eigenen Namen. Eine zuverlässige Diagnose ist in der Regel ab 18 bis 24 Monaten möglich. Viele Kinder werden allerdings erst im Kindergarten- oder Schulalter diagnostiziert, wenn die sozialen Anforderungen steigen. Diagnoseweg für Kinder

Kann Autismus auch im Erwachsenenalter diagnostiziert werden?

Ja. Viele Menschen erhalten ihre Diagnose erst mit 30, 40 oder sogar 50 Jahren. Besonders Frauen haben oft gelernt, ihre Besonderheiten so erfolgreich zu maskieren, dass der Autismus jahrzehntelang unerkannt bleibt. Die Diagnose im Erwachsenenalter erfordert spezialisierte Fachkräfte (Psychiater oder Neuropsychologen) und standardisierte Verfahren wie ADOS-2 und ADI-R. Diagnoseweg für Erwachsene

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Fragen zu Sozialleistungen und Recht

Welche Sozialleistungen stehen autistischen Menschen in Deutschland zu?

Je nach Lebenssituation und Unterstützungsbedarf kommen verschiedene Leistungen in Betracht: Frühförderung bis zum Schuleintritt, Schulbegleitung oder Inklusionshelfer, Eingliederungshilfe nach SGB IX für Erwachsene, Pflegegeld (Pflegegrad 1 bis 5), Grundsicherung bei Erwerbsminderung sowie steuerliche Erleichterungen über den Behinderten-Pauschbetrag. Alle rechtlichen Ansprüche

Kann das Sozialamt das Erbe meines behinderten Kindes einziehen?

Das Sozialamt entzieht das Erbe nicht direkt, stellt aber Sozialleistungen ein, sobald das Vermögen des Kindes über dem Schonbetrag liegt (bei Grundsicherung: 10.000 Euro). Das Kind muss das Erbe dann für Lebensunterhalt und Pflege einsetzen, bevor die Leistungen wieder greifen. Ein korrekt aufgesetztes Behindertentestament verhindert genau das: Es schützt das Erbe und stellt sicher, dass Ihr Kind weiterhin staatliche Leistungen erhält. Zum Behindertentestament

Was kostet ein Behindertentestament?

Die Kosten entstehen beim Notar und Anwalt und hängen vom Nachlasswert ab. Die Autismus-Stiftung berät Sie kostenlos zu den Grundlagen und vermittelt bei Bedarf spezialisierte Rechtsanwälte. Wichtig ist: Die Kosten für ein korrekt aufgesetztes Testament sind ein Bruchteil des Vermögens, das ohne Schutz an den Sozialhilfeträger fließen könnte.

Was ist eine Vorsorgevollmacht und brauche ich eine?

Eine Vorsorgevollmacht ermöglicht es einer Vertrauensperson, für einen anderen Menschen Entscheidungen zu treffen, wenn dieser dazu nicht mehr in der Lage ist. Für autistische Erwachsene, die eigene Entscheidungen treffen können, ist sie optional. Für Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf kann eine rechtliche Betreuung durch das Betreuungsgericht eingerichtet werden. Die Reform des Betreuungsrechts 2023 stärkt die Selbstbestimmung der Betroffenen. Zur Nachlassplanung

Fragen zur Autismus-Stiftung

Was macht die Autismus-Stiftung?

Die Autismus-Stiftung wurde 2015 in Kassel gegründet und ist als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts anerkannt. Wir fördern Projekte für autistische Menschen und ihre Familien, beraten zu Behindertentestament und Nachlassplanung, pflegen ein bundesweites Einrichtungsverzeichnis mit über 6.400 Anlaufstellen und informieren evidenzbasiert über Autismus und Neurodiversität. Über die Stiftung

Ist eine Zustiftung steuerlich absetzbar?

Ja. Zustiftungen an die Autismus-Stiftung können als Sonderausgaben geltend gemacht werden: bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte pro Jahr. Für größere Beträge gilt der erhöhte Sonderausgabenabzug nach Paragraf 10b Abs. 1a EStG: bis zu 1 Million Euro bei Einzelveranlagung, aufgeteilt über bis zu 10 Jahre. Wir stellen eine offizielle Zuwendungsbestätigung aus. Zur Zustiftung

Wie kann ich die Stiftung unterstützen?

Es gibt mehrere Wege: Eine einmalige oder regelmäßige Spende hilft uns direkt. Eine Zustiftung ab 2.500 Euro wächst dauerhaft im Stiftungsvermögen. Und über eine testamentarische Verfügung können Sie auch über Ihr Leben hinaus Gutes bewirken. Die Autismus-Stiftung finanziert sich ausschließlich über private Zuwendungen und erhält keine staatlichen Zuschüsse. Jetzt spenden | Zustiftung | Nachlassplanung

Wie finde ich Anlaufstellen in meiner Nähe?

Die Autismus-Stiftung pflegt ein bundesweites Verzeichnis mit über 6.400 Einrichtungen: Sozialpädiatrische Zentren, Autismus-Therapiezentren, Beratungsstellen, Wohneinrichtungen und Werkstätten. Sie können nach Postleitzahl, Bundesland und Einrichtungstyp filtern. Zum Einrichtungsverzeichnis

Weiterführende Themen

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