Eine kuratierte Auswahl von Quellen zur Vertiefung. Wissenschaftliche Studien, Radio- und Podcast-Beiträge, Dokumentarfilme und Online-Quellen. Bücher sind separat auf unserer Seite Buchempfehlungen gesammelt.

Wissenschaft und Studien

Aktuelle Forschung zur Neurodiversität nimmt mehrere Richtungen ein, die teils stark voneinander abweichen.

Double Empathy Problem: Damian Milton (2012, Disability & Society) prägt das Konzept der wechselseitigen Verständigungslücke. Wird seither in dutzenden Studien empirisch untersucht. Wichtig für ein modernes Verständnis von Autismus.

Monotropie-Theorie: Murray, Lesser, Lawson (2005) erklären autistische Aufmerksamkeit als Tunnel statt als Scheinwerfer. Erklärt viele Symptome aus einer kohärenten Theorie statt einzeln.

Autistic Burnout: Raymaker und Kolleginnen (2020, Autism in Adulthood) liefern die erste empirisch-qualitative Definition. Wichtig für die Beratung von Erwachsenen mit Spätdiagnose.

Spätdiagnose bei Frauen: Forschungsstand zusammengefasst bei Hull, Petrides und Mandy (2017 und 2020). Erklärt, warum klassische Diagnostik Mädchen und Frauen systematisch übersieht.

Radio und Podcast

Audio-Formate bieten oft Zugang zu autistischen Stimmen aus erster Hand.

Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk haben in den letzten Jahren mehrere Features zur Neurodiversität gesendet. Die DLF-Audiothek lässt sich gezielt durchsuchen, viele Beiträge sind dauerhaft verfügbar.

Neurodiversity Podcast (englisch, Emily Kircher-Morris): wöchentlich, Interviews mit Forschenden und Aktivistinnen der Neurodiversitäts-Bewegung.

Autismus-Podcasts deutsch: einzelne Folgen bei Erklär mir die Welt, Hotel Matze, Lage der Nation. Lohnt sich, gezielt nach „Autismus“, „ADHS“, „neurodivergent“ zu suchen.

Film und Dokumentation

Dokumentarfilme: In a Different Key (US, 2024) erzählt die Geschichte der Autismus-Diagnose von den 1940er Jahren bis zur Selbstvertretungsbewegung. Wir Autisten (ARD-Mediathek) zeigt deutsche Lebensrealitäten.

Serien mit autistischen Hauptfiguren: Heartbreak High (Netflix) und Extraordinary Attorney Woo (Netflix) werden aus der Community überwiegend positiv aufgenommen. The Good Doctor und Atypical sind populärer, werden aber kritisch diskutiert.

Wer Film und Serie als Einstieg nutzt, sollte sich bewusst sein, dass Fiktion verdichtet. Für eine realistische Einordnung lohnt sich, danach autistische Stimmen aus erster Hand zu hören oder zu lesen.

Bücher und weiterführende Lektüre

Eine kuratierte Buch-Auswahl pflegen wir laufend. Dort finden Sie Klassiker der autistischen Selbstvertretung, aktuelle Erfahrungs-Berichte und wissenschaftliche Einordnungen.

Zu den Buchempfehlungen der Autismus-Stiftung

Häufige Fragen zu Medien und Quellen

Welche Studie sollte ich zuerst lesen?

Für den Einstieg empfehlen wir Damian Milton, The Ontological Status of Autism: the Double Empathy Problem (2012). Knapper Originaltext, der den Paradigmenwechsel weg vom autistischen Empathie-Defizit hin zur wechselseitigen Verständigungslücke markiert.

Wo finde ich verlässliche deutschsprachige Quellen?

autismus Deutschland e.V., Aspies e.V. und die Regionalverbände sind etablierte Anlaufstellen. Wissenschaftlich tragen IQWiG und Gesundheitsinformation.de aktuelle, evidenzbasierte Inhalte zusammen. Auch Beiträge bei Deutschlandfunk und ARD-Mediathek sind gut kuratiert.

Welche Filme zeigen Autismus realistisch?

Heartbreak High und Extraordinary Attorney Woo werden in der Community überwiegend positiv aufgenommen. In a Different Key ist eine fundierte Dokumentation zur Geschichte der Diagnose. The Good Doctor und Atypical sind populär, werden aber kritisch diskutiert.

Vertiefung

Glossar

Die wichtigsten Begriffe der Neurodiversität verständlich erklärt. Zum Glossar

In der Gesellschaft

Repräsentation, Sprache und Klischees rund um Neurodivergenz. Mehr erfahren

Was ist Neurodiversität?

Konzept, Geschichte und das Vergleichs-Schaubild der drei Begriffe. Mehr erfahren

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