Wenn zwei Diagnosen zusammentreffen. Forschung, Diagnostik und Alltagsstrategien.
Lange Zeit galt in der Psychiatrie die Regel, dass Autismus und ADHS nicht gleichzeitig diagnostiziert werden koennen. Erst seit 2013 (DSM-5) ist die Doppeldiagnose offiziell anerkannt. Seitdem zeigt die Forschung: 50 bis 70 Prozent aller autistischen Menschen erfuellen auch die Kriterien fuer ADHS. Der Begriff AuDHD hat sich in der Community etabliert und beschreibt das gleichzeitige Vorliegen beider neurobiologischer Besonderheiten.
Diese Seite erklaert, wie sich Autismus und ADHS gegenseitig beeinflussen, warum die Doppeldiagnose so haeufig uebersehen wird und welche Unterstuetzungsmoeglichkeiten es gibt.
der autistischen Menschen erfuellen auch ADHS-Kriterien
seit dem DSM-5 ist die Doppeldiagnose Autismus + ADHS offiziell moeglich
der Kinder mit ADHS zeigen auch autistische Merkmale
hoeher ist die Burnout-Rate bei AuDHD im Vergleich zu nur einer Diagnose
Autismus und ADHS erscheinen auf den ersten Blick wie Gegensaetze. Autismus bringt den Wunsch nach Routine und Vorhersehbarkeit, ADHS den Drang nach Neuem und Stimulation. In der Praxis erleben AuDHD-Betroffene einen staendigen inneren Konflikt: Der autistische Anteil braucht Struktur, der ADHS-Anteil rebelliert dagegen.
Typische AuDHD-Erfahrungen umfassen intensive Spezialinteressen, die aber haeufig wechseln (Autismus bringt die Tiefe, ADHS den Wechsel), Schwierigkeiten mit Zeitmanagement trotz hohem Beduerfnis nach Planung, sensorische Ueberempfindlichkeit kombiniert mit Reizsuche und soziale Erschoepfung gepaart mit dem Beduerfnis nach menschlichem Kontakt.
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Die Doppeldiagnose wird haeufig uebersehen, weil die Symptome sich gegenseitig maskieren. Die ADHS-typische Impulsivitaet kann die autistische Zurueckhaltung ueberdecken, sodass nur ADHS diagnostiziert wird. Umgekehrt kann die autistische Struktur die ADHS-typische Unorganisiertheit kompensieren, sodass nur Autismus erkannt wird.
Fuer eine zuverlaessige Diagnostik empfehlen Fachgesellschaften eine umfassende neuropsychologische Untersuchung, die beide Diagnosen gleichzeitig in Betracht zieht. Ideal ist eine interdisziplinaere Diagnostik mit Erfahrung in beiden Bereichen. Die Wartezeiten fuer spezialisierte Diagnostik betragen in Deutschland oft ueber ein Jahr.
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Die Behandlung von AuDHD erfordert einen integrativen Ansatz, der beide Diagnosen beruecksichtigt. Eine reine ADHS-Behandlung (z.B. Methylphenidat) kann autistische Merkmale verstaerken oder neue Herausforderungen schaffen. Gleichzeitig koennen autismusspezifische Strategien (strikte Routinen) mit dem ADHS-bedingten Beduerfnis nach Flexibilitaet kollidieren.
Bewaehrte Ansaetze umfassen eine Kombination aus Verhaltenstherapie mit Verstaendnis fuer beide Diagnosen, medikamentoese Behandlung der ADHS unter Beruecksichtigung der sensorischen Empfindlichkeit und Coaching fuer Alltagsstrategien, die beide Beduerfnisse balancieren. Ergaenzend helfen achtsamkeitsbasierte Verfahren, koerperliche Bewegung und der Austausch in Peer-Groups mit anderen AuDHD-Betroffenen.
Die Autismus-Stiftung foerdert Forschung und Aufklaerung zu AuDHD und anderen Doppeldiagnosen.