Nach der Diagnose
Eine Autismus-Diagnose verändert vieles auf einmal. Die medizinische Seite wird meist gut betreut, die rechtliche und finanzielle Absicherung Ihres Kindes bleibt oft auf der Strecke, weil sie in den ersten Monaten unwichtig erscheint. Sie ist es nicht. Was Sie in den kommenden 12 bis 24 Monaten festlegen, entscheidet, wie gut Ihr Kind ein Leben lang abgesichert ist.
Diese Seite bringt die wichtigsten Schritte in eine klare Reihenfolge, damit Sie nicht alles auf einmal denken müssen. Sie richtet sich an Eltern kurz und mittelfristig nach der Diagnose und ergänzt die weiterführenden Seiten zu Behindertentestament und langfristiger Vorsorge.
Der Rahmen
In den ersten sechs Monaten geht es um Wissen und um behördliche Grundlagen. Rechtlich müssen Sie noch nichts entscheiden.
Zwischen Monat sechs und achtzehn wird die Vorsorge konkret. Testament, Vollmacht, Betreuungsverfügung stehen an.
Nach zwei Jahren sollte die Basis stehen. Ab jetzt geht es um regelmäßige Prüfung und langfristige Vermögensplanung.
So viel Vermögen darf Ihr Kind aktuell in der Eingliederungshilfe besitzen. Wer diese Grenze kennt, plant gezielter.
Phase 1
In den ersten Monaten geht es weder um Testamente noch um Anwälte. Es geht darum, sich einen Überblick zu verschaffen und die behördlichen Grundlagen zu regeln. Wer diese Etappe ordentlich absolviert, hat die spätere Vorsorge deutlich leichter.
Sammeln Sie alle Diagnosepapiere, Arztberichte und Therapieempfehlungen an einem Ort. Legen Sie einen physischen und einen digitalen Ordner an, in dem Sie chronologisch dokumentieren. Diese Dokumentation ist die Grundlage für spätere Anträge auf Schwerbehindertenausweis, Pflegegrad und Eingliederungshilfe.
Klären Sie mit Ihrer Krankenkasse die Kostenübernahme für Therapien. Beantragen Sie parallel den Schwerbehindertenausweis und prüfen Sie den Pflegegrad. Diese Anträge dauern häufig mehrere Monate. Je früher Sie starten, desto reibungsloser läuft die spätere Versorgung.
Nutzen Sie diese Phase, um Beratungsstellen in Ihrer Region kennenzulernen. Wir helfen Ihnen dabei über unser Verzeichnis der Fachstellen. Für die rechtliche Vorsorge müssen Sie noch nichts entscheiden, aber Sie können bereits lesen und lernen.
Zwischenstand
Bevor Sie in die nächste Phase gehen, machen Sie den Vorsorge-Check. Fünf Minuten, acht Fragen, ehrliche Rückmeldung. Der Check zeigt Ihnen, welche Bausteine schon sitzen und wo Sie ansetzen sollten.
Vorsorge-Check
Ein ehrlicher 5-Minuten-Check zur rechtlichen und finanziellen Vorsorge für Ihr Kind. Acht Fragen, konkrete Rückmeldung, keine Beratungsfalle.
Ihr Ergebnis
0 von 24 Punkten
Wir schicken Ihnen Ihre Auswertung und die nächsten Schritte kompakt in einer E-Mail. Kein Anhang, direkt lesbar.
Phase 2
Jetzt wird es konkret. Diese Phase ist der Zeitpunkt, an dem die wichtigsten rechtlichen Weichen gestellt werden. Wenn Sie bereits ein Testament haben, prüfen Sie es auf Kompatibilität mit einer Behinderung. Wenn nicht, ist jetzt der richtige Zeitpunkt anzufangen.
Ein Behindertentestament schützt das Vermögen Ihres Kindes vor der Anrechnung auf Sozialleistungen. Es kombiniert Vor- und Nacherbschaft mit Testamentsvollstreckung. Für eine wasserdichte Gestaltung brauchen Sie einen Fachanwalt für Erb- oder Sozialrecht. Auf unserer Seite Behindertentestament finden Sie die Grundlagen.
Regeln Sie zusätzlich, wer für Sie und für Ihr Kind entscheidet, falls Ihnen etwas zustößt. Die Vorsorgevollmacht überträgt Handlungsvollmacht an eine benannte Person. Die Betreuungsverfügung ist Ihre Wunschliste an das Betreuungsgericht. Im Idealfall ergänzen sich beide Dokumente.
Sprechen Sie familienintern über Ihre Regelung. Wer wird Ansprechpartner für Ihr Kind? Wer verwaltet das Vermögen? Wer trifft Betreuungsentscheidungen? Die beste Vorsorge nützt nichts, wenn im Ernstfall niemand weiß, was Ihr Wille war.
Vorsorge zu Lebzeiten
Eine Zustiftung an die Autismus-Stiftung sichert Ihr Kind über den Erbfall hinaus. Anders als ein einmaliges Vermächtnis arbeitet eine Zustiftung dauerhaft: Ein Drittel des Kapitals fließt jährlich in konkrete Förderung, zwei Drittel bleiben als Stiftungsvermögen erhalten. Ihr Beitrag wirkt über Generationen.
Phase 3
Ab jetzt sollten die Basisdokumente stehen: Testament, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Testamentsvollstrecker. Notariell beglaubigt, familiär kommuniziert. Die Phase drei ist die Phase der Feinjustierung und der langfristigen Vermögensplanung. Wir empfehlen eine Prüfung Ihrer Vorsorge alle drei Jahre oder bei größeren Lebensereignissen.
FAQ
Nicht überhastet. In den ersten Monaten geht es um Diagnose-Verarbeitung und Therapie-Start. Ein realistischer Zeitrahmen für das Behindertentestament sind 12 bis 18 Monate nach Diagnose. Wichtig: früh anfangen zu informieren, nicht früh entscheiden.
Notarielle Kosten hängen vom Vermögen ab und liegen typischerweise zwischen 300 und 1.500 Euro. Fachanwaltliche Beratung zusätzlich etwa 300 bis 800 Euro. Im Verhältnis zur langfristigen Absicherung ein sehr kleiner Betrag.
Nein. Ein normales Testament kann bewirken, dass Ihr Kind eine Erbschaft komplett in die Sozialhilfe einzahlen muss. Das Behindertentestament regelt genau das anders und schützt das Vermögen dauerhaft.
Genau dann ist Vorsorge besonders wichtig. Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Testamentsvollstrecker regeln, wer im Ernstfall entscheidet. Wir helfen Ihnen geeignete Personen oder Institutionen zu finden.
Für ein wasserdichtes Behindertentestament ja. Allgemeine Anwälte kennen die Details des Sozialrechts oft nicht ausreichend. Wir vermitteln spezialisierte Anwälte in Ihrer Region.
Die Vorsorgevollmacht überträgt einer benannten Person das Recht, im eigenen Namen zu handeln, ohne dass ein Gericht eingeschaltet werden muss. Die Betreuungsverfügung ist eine Wunschliste an das Betreuungsgericht. Beide Dokumente ergänzen sich.
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